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Kreisverband · Veranstaltung

Olympia in Deutschland: DOSB-Chef Otto Fricke zu Gast in Sindelfingen

Otto Fricke spricht mit Mikrofon vor einem Banner der Freien Demokraten

Was würden Olympische Spiele in Deutschland für den Sport vor Ort bedeuten? Dieser Frage sind der VfL Sindelfingen und der FDP-Kreisverband Böblingen am 28. Oktober 2026 in der Sportwelt des VfL nachgegangen. Zu Gast war Otto Fricke, seit 2025 Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB). Rund 30 Gäste verfolgten seinen Impulsvortrag und die anschließende Diskussion.

München als deutscher Bewerber

Der DOSB hat München kürzlich als offiziellen deutschen Bewerber für die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 ausgewählt. Fricke hält Spiele in München für realistisch. Bei der Vergabe zählten jedoch Sportstätten, Finanzen sowie das politische und gesellschaftliche Umfeld. Als stärksten Mitbewerber sieht er Budapest.

Für den früheren Bundestagsabgeordneten ist die Bewerbung eine Chance, den Sport wieder in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Schon die Spiele 1972 hätten mit dem Ausbau der Sporthilfe, der Glücksspirale und dem Boom der Trimm-Bewegung nachhaltig gewirkt. Zuletzt habe Paris ein Gemeinschaftsgefühl für Sportler und Zuschauer erzeugt. Sport sei „eine der wesentlichen Möglichkeiten zur Verfolgung des persönlichen Glücks“.

Der DOSB als Dachverband

„Wir sind kein Führungs- oder gar Bestimmerverband, sondern der Dachverband“, stellte Fricke zu Beginn klar. Der DOSB vertritt rund 29,3 Millionen Mitglieder aus 86.000 Sportvereinen gegenüber Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Themen seien etwa Sportstättenfragen und das sogenannte „Herrenberg-Urteil“ zur Einstufung von Honorarkräften, Trainern und Übungsleitern. Als größte Gefahr für die Vereine nannte er derzeit die Abschaffung des steuerrechtlichen Sonderstatus der Minijobs.

Stimmen aus dem Sindelfinger Sport

Auf dem Podium diskutierten Leichtathletiktrainer Werner Späth und VfL-Geschäftsführerin Anne Köhler, moderiert von SZ/BZ-Chefreporter Jürgen Wegner.

Werner Späth, der von den Spielen 1960 in Rom inspiriert wurde und sieben Athletinnen zu Sommerspielen führte, erinnerte an seine Anfänge als Trainer in Holzgerlingen und an München 1972. Über die Politik sagte er pragmatisch, er habe sich nie groß Gedanken gemacht, was sie für ihn tue.

Anne Köhler würde sich über Olympia in Deutschland freuen: „Wir brauchen sportliche Vorbilder.“ Zugleich verwies sie auf den Vereinsalltag. Nach Erfolgen wie dem Basketball-WM-Titel sei das Interesse groß, doch Hallen und Ehrenamtliche kämen schnell an ihre Grenzen: Beim VfL seien 95 Prozent der Hallenbelegungszeiten vergeben. Die Leichtathletik arbeite professionell, müsse aber um jeden Cent im Sponsoring kämpfen.

Sport und Politik

Auf die Frage nach dem Stellenwert des Sports in der Politik antwortete Fricke: „Am Ende muss auch die Politik abwägen, welcher Bereich wie viel Zuschüsse bekommt.“ Erfolg hänge auch von der Einstellung zum Leistungssport und von der Begeisterung im Land ab. Veränderungen beim Sportsponsoring hält er für essenziell, und von einer Förderung müssten langfristig auch Angebote wie der Rehasport profitieren. Olympia sei dabei „die Fackel, die die Aufmerksamkeit erregt und dazu motiviert, sich sportlich zu betätigen“.

Auch kritische Fragen zum Internationalen Olympischen Komitee ließ Fricke nicht aus. Fehler gebe es überall, bewusstes Regelbrechen werde es mit ihm aber nicht geben. Er sieht bei weiterhin überzeugender Arbeit gute Chancen, dass München den Zuschlag bekommt.

Dank

Der FDP-Kreisverband Böblingen dankt Otto Fricke, dem VfL Sindelfingen sowie Anne Köhler, Werner Späth und Jürgen Wegner für einen anregenden Abend. Sport, Ehrenamt und Vereinsleben bleiben für uns Freie Demokraten wichtige Themen im Landkreis.

Zitate nach dem Bericht von Thomas Holzapfel in der Sindelfinger Zeitung / Böblinger Zeitung vom 31. Oktober 2026.

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